Ein sonniges Wochenende im August – wenn Amateurvereine in der ersten DFB-Pokalrunde Geschichte schreiben wollen

20. Aug 2019 von Marten

Die erste Runde des DFB Pokals ist gespielt – die zweite schon ausgelost. In keiner Phase des Wettbewerbs wird die Floskel, der Pokal habe „seine eigenen Gesetze“ öfter bemüht, als in dieser. Kein Wunder, denn hier trifft Klein auf Groß oder David auf Goliath oder der hauptberufliche Lehrer auf den Vollzeitprofi (wenn wir schon dabei sind, das Phrasenschwein zu füllen). Welche Geschichten schrieb der Pokal dieses Jahr, um den bestehenden Mythos fortzutragen?

Sensation in Ostwestfalen beim SC Verl

Die große Sensation gelang dem SC Verl aus Ostwestfalen mit einem 2-1 Sieg gegen Bundesligist Augsburg. Die Würzburger Kickers schnupperten im Heimspiel gegen die TSG aus Hoffenheim an der nächsten Überraschung, als sie nach 0-2 und 2-3 jeweils zurückkamen und erst aus elf Metern am letztjährigen Champions-League-Teilnehmer scheiterten. Ähnlich bitter erging es dem VFB Lübeck aus der Regionalliga gegen FC St. Pauli und dem Chemnitzer FC gegen den gefühlten Bundesligisten Hamburger SV.

Stickerstars-internes Duell

Äußerst knapp – mit einem 0-1 nach Verlängerung – scheiterte auch der 1. FC Magdeburg am SC Freiburg. Das besondere an der Partie? Beide Kontrahenten verewigten sich bereits in einem vereinseigenen Stickeralbum, ein gemeinsames Projekt mit Stickerstars. Immerhin hier waren die Magdeburger dem Sportclub voraus und kickten Ende August 2018 ihr Album, Freiburg zog im Oktober 2018 nach.

TUS Dassendorf in Zwickau zu Hause

Die TUS Dassendorf hatte gerade sein zehn wöchiges Sammelprojekt beendet, als die Mannschaft etwas unglücklich in der ersten Runde an Dynamo Dresden scheiterte. Die besondere Geschichte hier? Das Spiel fand nicht im Hamburger Umkreis des Oberligisten statt, sondern in Zwickau – also eher Heimspiel Dresden. Ein Nachteil? Nicht unbedingt, der Amateurverein konnte sich trotzdem über ein Mehr an Zuschauereinnahmen freuen. Sportlich jedoch brachte die Spielstätte kein Glück, das Spiel verlor der Oberligist mit 0-3.

Holstein Kiel souverän

Die Holstein aus Kiel hatte ihren Stickerstars-Kick-Off bereits im April 2018, so lässt sich vermutlich auch der souveräne 6-0-Auswärtssieg beim FSV Salmrohr erklären. Im ersten Wettbewerb mit Stickeralbum zogen die Störche aus dem Norden ins Achtelfinale ein – verloren dort knapp mit 0-1 gegen den FC Augsburg.

Die Europa-Eintracht spektakulär

Eintracht Frankfurt hingegen belohnte sich im Mai 2018 mit einem eigenen Stickeralbum für den Pokalsieg im Jahr zuvor und nahm den Schwung aus dem Kick-Off mit in eine berauschende Europapokalsaison, die erst im Halbfinale beim späteren Cup-Sieger Chelsea London endete. Diese Saison setzte sich die Eintracht in einem mindestens ebenso spektakulären Spiel mit 5-3 gegen Waldhof Mannheim durch. Erst ein Hattrick von Ante Rebic, „Bruda“ und Pokalheld von 2018 in der Schlussphase der neunzig Minuten verhinderte die Mannheimer Sensation.

Rödinghausen holt 0-2 und 1-3 auf

Auch der SV Rödinghausen scheiterte einzig öfter vom Kreidepunkt als der favorisierte Gegner und Bundesligaaufsteiger aus Paderborn. Während der vorangegangenen 120 Minuten bot der Sportverein aus der Regionalliga West einen ausgeglichenen Kampf und comebackten sich nach 0-2 und 1-3 in den letzten Minuten der regulären Spielzeit noch zum Ausgleich. Schon im vergangenen Jahr machte der Klub aus dem Kreis Herford auf sich aufmerksam, als Dynamo Dresden in der ersten Runde geschlagen werden konnte und die Reise erst in der zweiten Runde äußerst knapp gegen die Bayern im Free TV endete.

Es kann kaum ein Zufall sein, dass Rödinghausen im Winter 2017 sein eigenes Stickeralbum auf den lokalen Markt brachte und dann seine Erfolgsstory als beste westfälische Mannschaft der Regionalligasaison 201718, dem Sieg des Westfalenpokals 2019 und den beiden DFB-Pokalteilnahmen startete.

Eigene Gesetze?

Ob es des Pokals eigene Gesetze sind? Lässt sich nicht abschließend klären. Ein Narrativ lässt sich aus dieser Pokalrunde aber auf jeden Fall identifizieren: Der Favorit setzt sich in der scheinbaren lotteriegleichen Disziplin vom Punkt durch. Die Geschichten, die währenddessen geschrieben werden, sind in der Regel spannender. Deswegen bereichern die Amateurvereine den Pokal – auf vielen Ebenen. Denn der Amateurfußball schreibt seine Geschichten nicht nur einmal im Jahr an einem sonnigen Augustwochenende. Sondern das ganze Jahr über. Geschichten, die schon viele Vereine in Stickeralben festgehalten haben. Und die – das ist kaum von der Hand zu weisen – unweigerlich positiven Einfluss auf den Verlauf im Pokalwettbewerb haben.