Aufreißen, einkleben!

Wer Panini-Klebebildchen sammelt, tut das nicht aus freiem Willem - er ist süchtig. Nun bringt auch der TSV Ebersberg ein Album heraus.

Nur ein Hobby? Mitnichten. Wer Panini-Klebebildchen sammelt, tut das nicht aus freiem Willen. Er hat sich angesteckt. Das Virus ist tückisch. Wen es erfasst hat, den lässt es nicht mehr los. Das Jagen, Kaufen, Sammeln und Einkleben trägt Züge von Suchtverhalten.

Schon Wochen vor einer Fußball-WM oder -EM sieht man die Befallenen suchenden Blicks durch die Zeitschriftenabteilungen der Supermärkte streifen, wie zufällig Stapel von Kicker-Journalen oder Elf-Freunde-Magazinen auf die Seite schiebend, hoffend, sie wären der Erste im Freundeskreis, der das Leeralbum mit nach Hause brächte.

Und wenn dem Süchtigen endlich der rote Panini-Schriftzug auf gelbem Grund ins Auge springt, setzen die Symptome erst richtig ein. Von der Kasse, wo die viereckigen Pappkartons mit den Bildertütchen stehen, dem angespannten Aussuchen des richtigen Packerls - “da ist er jetzt drin, der Robben” - bis zum hibbeligen und doch vorsichtigen Aufreißen desselben, exakt der gestanzten Oberkante entlang, um den Inhalt ja nicht zu beschädigen, ist er nicht mehr ansprechbar. Ganz gleich ob er achtjähriger E-Jugend-Stürmer, spätambitionierter Linksaußen der alten Herren oder Sofakicker ist. Klebebildchen von Männern in bunten Fußballtrikots lösen eine Art Schwärmerei aus, von der die Olympischen einst nur träumen konnten.

Wenn jetzt der TSV Ebersberg ein eigenes Stickeralbum auf den Markt bringt und damit wirbt, dass “Kindheitsträume in Erfüllung” gehen, hat er damit sicher Recht. Dabei braucht er noch nicht einmal zu werben. Noch ist das Album nicht erschienen - am Vormittag des zweiten Adventssamstags wird das Druckwerk, das der Verein gemeinsam mit der Firma Stickerstars herausbringt, beim Rewe-Markt im Ebersberger E-EinZ präsentiert -, da gehen die Jungs im Verein schon steil vor Ungeduld. Irgendwann einmal ein WM-Endspiel als Profi zu bestreiten, wird für die meisten ja ein Traum bleiben, aber als Stickerbildchen auf einer Sammelbörse gehandelt zu werden, ist doch fast so gut wie den entscheidenden Elfmeter in einem Saisonfinale zu verwandeln.

Jede Mannschaft, alle Trainer, Helfer und Vorstände sowie die große Mehrheit aller Spieler des TSV sind im Foto festgehalten und auf insgesamt 370 Sticker gebannt. Für 95 Cent sind sie im Fünferpack zu haben - und noch sind sie alle gleich viel wert. Top-Stars, die im Tausch nur gegen 20 andere hergehen oder zweistellig gehandelt werden, habe der TSV bisher nicht, sagt Florian Huber und lacht. Er hat das Projekt Sammelalben geleitet und, so vermutet er, fürs Erste werden wohl die Spieler der Herrenmannschaft die begehrtesten Sammelobjekte sein.

Am 5. Dezember wird man es sehen und mitfiebern können. Beim Aussuchen, Aufreißen, Einkleben.